Geplant war an diesem Wahnsinnstag – erster ganztägiger Sonnenschein nach 15 cm Neuschnee – eine Fahrt in den Langen Grund. Um sieben Uhr trafen wir uns an der Therme Bad Aibling, um zeitig bei den Parkplätzen an der Erla-Brennhütte zu sein. Das dachten sich wohl auch so einige andere, denn als wir beim Autobahnzubringer die A8 sahen, stockte uns der Atem: eine zähflüssige Blechlawine drängte Richtung Berge. Naja, als wir dann kurz vor der Inntalabzweigung standen, dachte ich mir als Tourenbegleiter schon: Manoman, ich Depp, warum habe ich den Treffpunkt nicht schon um 6:30 Uhr festgesetzt? Es half nichts, wir mussten mit unserem fast vollbesetzten VW-Bus eben irgendwie hin zum Brixental. Zu allem Überfluss hatten wir auch noch die Ausfahrt Brannenburg zu nehmen, da wir dort noch eine Teilnehmerin abzuholen hatten. Als wir dann endlich dort waren, Ski, Stock und Schuhe samt Person eingepackt hatten, trauten wir uns wieder auf die Autobahn. Und siehe, es lief wieder! Mit nur wenigen Minuten Stauverzögerung kamen wir an der Mautstation an. Dort wartete das nächste Hindernis: ein sehr vorsichtiger Autofahrer, der sehr langsam die schnee- und eisbedeckte Fahrbahn den Berg hinauffuhr. Mit Hilfe einiger Stoßgebete und gemeinsamen Hauruckaktionen schafften wir es schließlich bis zum vollbesetzten Parkplatz. ARGH! Da kam aber schon einer auf uns zu, der uns anbot, sein Auto hinter dem Auto seiner Bergkameradin zu stellen. Was für ein Glücksgefühl! Und das, ohne dass wir Bretter unter den Füßen hatten. Nachdem alle den Bus in die richtige Parklücke schoben – es ging steil nach oben – wurden wir schon mit dem nächsten Problem konfrontiert: Da wir plötzlich in zwei anderen großen Gruppen standen, musste die Ausrüstung gut sortiert sein, damit keiner mit den falschen Stöcken oder gar falschem Rucksack loslief. Mir schwante schon Übles: Das Ziel „Herzogkogel“ war mit dem Gedanken ausgesucht worden, eine einsame und ruhige Tour zu erleben. Ich sah uns schon in einer langen Menschenkette den Berg hochstapfen. Zu unserer Erleichterung verteilte sich alles sehr schnell auf die umliegenden Touren, so dass wir die Spur und die Hänge ganz für uns alleine hatten. Das sollte auch den ganzen Tag über so bleiben! Zwar nutzten wir die Aufstiegsspur im frischen Neuschnee, aber weit und breit war kein weiterer Tourengeher zu sehen. Einen Wehrmutstropfen gab es: Die Unterlage war faktisch bis zu einer Höhe von etwa 1500 m nicht vorhanden.
Nachdem wir das erste steile Waldstück schafften und wir auf den freien Flächen ankamen, bot sich uns ein in den letzten Wochen (zumindest mir) eher unbekannter Blick: verschneite Bäume, weiße Hänge bis ins Tal hinunter und unverspurte Hänge. Da die Zeit doch weiter vorangeschritten war als gedacht und die Hänge des Schafsiedel sehr verlockend aussahen, gingen wir weiter Richtung des Paradeskiberges. Ganz bis zum Gipfel schafften wir es zwar nicht, doch davor belohnten wir uns mit einer Pulverabfahrt in die Nordhänge. Von dort ging es immer in Sichtweite unserer Aufstiegsspur bis zu 35° steilen, lichten Waldhängen hinabentlang. Weiter unten war die Suche nach dem besten Schnee mehr oder weniger anspruchsvoll; immerhin hatte man die Auswahl zwischen einer Spuranlage mit viel Steinen oder eben mit etwas weniger Steinen.
Natürlich kamen wir wieder gemeinsam mit der anderen großen Gruppe am Auto an, so dass man wirklich gut aufpassen musste, die richtigen Sachen zu verräumen.
Die Heimfahrt verlief dann erfreulicherweise ohne größere Staus, so dass wir gegen 17:00 Uhr in Bad Aibling heimkamen. Ein wirklich schöner Tag mit herrlichem Pulver, viel Sonne und erholsamer Einsamkeit ging zu Ende.




